Unwetter Deutschland

Sicher durch die Unwetterlage

Unwetter ist nicht gleich Unwetter - die Gefahren liegen je nach Wetterlage woanders. Wir erklären Ihnen, worauf Sie wann achten müssen.

Oft hört man im Radio nach den Nachrichten nur, dass es vereinzelt zu Wärmegewittern kommen kann, die örtlich Unwettercharakter annehmen können. Doch was heißt das genau? Muss man sich sorgen machen? Wird man betroffen sein? Worin liegen die Gefahren?

Unwetter sind nicht gleich Unwetter und Gewitter nicht gleich Gewitter. Je nach Wetterlage unterscheiden sich die sich in ihren Auswirkungen zum Teil erheblich. Worauf man bei welcher Wetterlage gefasst sein muss, das erklären wir Ihnen im folgenden Text.

Alles um sicher durch eine Unwetterlage zu kommen, finden Sie übrigens auf unserer Unwetter-Seite.

Sicher durch den Unwetter-Tag

Wetterereignisse und ihre Risiken

Einzelne Wärmegewitter

Wenn in der Vorhersage von "einzelnen Wärmgewittern" gesprochen wird, dann sind meist in erster Linie das Bergland, also die Mittelgebirge und Alpen von Gewittern betroffen. In diesem Fall gibt es keine Kaltfront, also auch keinen Wetter- und Luftmassenwechsel.

Der typische Verlauf ist, dass sich ab dem Mittag oder Nachmittag über den Bergen Quellwolken bilden, die dann zu einzelnen Gewittern heranwachsen. Im weiteren Verlauf können die Gewitter allerdings auch auf das Umfeld ausgreifen. Da diese Gewitter oft nur langsam ziehen oder ortsfest bleiben, geht die größte Gefahr von punktuellem Starkregen und viel (in der Regel kleinkörnigem) Hagel mit Überflutungen aus. Heftige Gewitterböen oder Großhagel sind dabei eher selten, wenn auch nie ganz auszuschließen.

Langsam ziehende Gewitter

Wenn sich innerhalb feuchter und warmer bis heißer Luft (fast ausschließlich in den Sommermonaten) bei gleichzeitig nur wenig Höhenwind Gewitter bilden, dann besteht große Gefahr von Sturzfluten und Überschwemmungen.

Da der Wind innerhalb der feuchten Luft bis in große Höhen nur sehr schwach ist, verlagert sich ein entstandenes Gewitter nur sehr langsam oder bleibt ortsfest. Die Folge ist, dass das Gewitter seinen gesamten Niederschlag an einem Ort abladen kann, was oft zu großen Überschwemmungen und Sturzfluten führen kann. Keller laufen voll, Straßen werden überschwemmt und kleine Bäche und Flüsse können in kurzer Zeit um mehrere Meter anschwellen und Hochwasser führen.

Ebenso kommt es lokal begrenzt häufiger zu großen Hagelansammlungen. Der (überwiegend kleinkörnige) Hagel kann Abläufe verstopfen und so die Gefahr von Überschwemmungen noch steigern. Bei dieser Wetterlage sind mehrheitlich Regionen im Gebirge und im Umfeld der Mittelgebirge und Alpen betroffen. In einigen Fällen, wenn sich beispielsweise eine Konvergenzzone (Luft strömt zusammen) ausbildet, kann auch flächiger das Tiefland abseits der Gebirge betroffen sein.

Schnell ziehende Gewitter

Wenn Gewitter sich schnell verlagern, dann ist auch immer viel Höhenwind im Spiel. Der Wind in der Höhe treibt die Gewitter an und je stärker er weht, desto schneller verlagern sich die Gewitter. Im Gegensatz zu langsam ziehenden Gewittern rücken bei schnell ziehenden Gewitter mehr heftige Gewitterböen als Begleiterscheinung in den Fokus. Da die Windscherung deutlich erhöht ist, können sich Gewitter "organisieren" und zu markanten Gewitterlinien zusammenschmelzen, auch Superzellen mit der Gefahr von Tornados sind je nach Ausprägung der Windscherung dann möglich.

Schnell ziehende Gewitter, die Unwettercharakter annehmen können, kommen in einigen Fällen auch in den Wintermonaten vor. Sie bilden sich dann an Kaltfronten von kräftigen Sturm- oder Orkantiefs und können dann ähnlich heftig sein, wie Gewitter in den Sommermonaten. Da der Höhenwind sehr stark ist, kann dieser in den Gewittern bis zum Boden herabgemischt werden (vertikaler Impulstransport) und im Extremfall Orkanböen über 120 km/h bringen.

Starkregen ist bei schnell ziehenden Gewittern zwar ebenfalls möglich, die Niederschlagssumme bleibt allerdings meist deutlich geringer als bei langsam ziehenden Gewittern, da das Gewitter schnell vorüberzieht und der Starkregen damit nicht lange anhält.

Blitzintensive Gewitter

Blitzintensive Gewitter treten in erster Linie in sehr energiereichen (feucht-warmen/-heißen) Luftmassen in den Sommermonaten auf, seltener an Kaltfronten von kräftigen (Sturm)Tiefs in den Wintermonaten. Teilweise gibt es innerhalb von einer Minute dutzende, teils starke Erdblitze. Die Gefahr von einem Blitz getroffen zu werden ist dann selbstverständlich stark erhöht. Blitzschlag ist immer wieder eine deutlich unterschätzte Gefahr bei Gewittern. Immer wieder werden beispielsweise auf Sportplätzen Menschen vom Blitz getroffen, da ein nahendes Gewitter nicht ernst genommen wird. Deswegen sollte man sich bei einem nahenden Gewitter so schnell wie möglich in feste Gebäude oder in ein Fahrzeug begeben.

Hagelgewitter

Hagelschlag ist bei Gewittern immer nur sehr eng begrenzt, kommt aber bei fast jeder Gewitterlage vor. Großer Hagel entsteht in erster Linie und am häufigsten in den Sommermonaten innerhalb energiereicher Luft in sehr hochreichenden Gewitterwolken. Das Zusammenspiel aus energiereicher, sehr warme oder heißer Luft inklusive (zumindest etwas) Windscherung, lässt mächtige Gewitterwolken heranwachsen, die langlebig sind und eng begrenzt großen Hagel bringen. Großhagel mit 4 bis 5 cm Durchmesser und mehr tritt meist bei sogenannten Superzellen (langlebige, hochreichend rotierende Gewitter) auf.

Schon ab 0,5 bis 1 cm Durchmesser können Hagelkörner besonders bei sehr dichtem Hagelschlag zu Schäden an Früchten führen. Ab etwa 3 cm Durchmesser können vermehrt Beulen an Autos auftreten, ab ca. 5 cm können Fensterscheiben eingeschlagen werden, ab 7 bis 8 cm Durchmesser treten teils massive Schäden an Hausdächern auf. Bei Hagelsteinen mit einem Durchmesser von 10 cm oder mehr treten flächig massive Schäden bis Verwüstungen auf, Menschen und Tiere können spätestens ab dieser Hagelkorngröße tödlich verletzt werden. Die Auswirkung ist allerdings nicht allein vom Korndurchmesser abhängig, sondern auch vom Wind.

Graupelschauer und Graupelgewitter

Graupel ist eine Niederschlagsart, die häufig mit Hagel verwechselt wird. Graupelkörner haben in der Regel unter 0,5 cm im Durchmesser, darüber spricht man von Hagel. Allerdings kennt die Natur keine exakten Grenzen und der Hauptunterschied ist in den allermeisten Fällen die Konsistenz. So tritt Graupel meist als undurchsichtige, weiße Körnchen auf, ist porös und ähnelt kleinen Styroporkügelchen. Graupelkörner richten aufgrund ihrer geringen Größe keinen Schaden an, können aber im Straßenverkehr kurzzeitig für starke Glätte sorgen. Schon oft haben starke Graupelschauer für schwere Unfälle gesorgt. Graupel tritt in den meisten Fällen innerhalb starken Schauer in den Herbst-, Winter- und Frühlingsmonaten auf. Ist der Schauer stark genug und fällt viel Graupel in kurzer Zeit, dann bildet sich eine glatte und schmierige Graupeldecke auf Fahrbahnen. Dies kann durch den starken Niederschlag auch bei deutlichen Plusgraden geschehen.

Tornados kommen jedes Jahr auch in Deutschland vor. Man versteht unter einem Tornado einen kleinräumigen Wirbel mit mehr oder weniger senkrechter Achse, der sich von einer Schauer- oder Gewitterwolke bis zum Boden erstreckt und hier große Schäden anrichten kann. Die meisten Tornados weisen nur eine Lebensdauer von wenigen Minuten auf und sind über eine Strecke von einigen Hundert Metern bis mehreren Kilometern unterwegs. Tornados können an Schauern oder Gewittern entstehen. Sie sind oft nur sehr kurzlebig und sehr kleinräumig, aber in diesem kleinen Bereich können extreme Windgeschwindigkeiten herrschen. Die Stärke eines Tornados wird durch die Fujitaskala angegeben, die von F0 (unterhalb Orkanstärke) bis F5 (ab ca, 420 km/h) reicht.

Für die Entstsehung eines Tornados an einer Schauer- oder Gewitterwolke ist neben hoher Luftfeuchtigkeit und damit einem niedrigen Kondensationsniveau auch die Windscherung ein entscheidender Fakor. Neben hochreichender vertikaler Windscherung (Geschwindigkeitsscherung) ist die Drehung des Windes in den unteren Schichten der Troposphäre ausschlaggebend. Kann man vor Tornados warnen? Ja, mit Einschränkungen kann man es. Allerdings funktioniert dies nur sehr kurzfristig und bei stärkeren Gewittern, die einen rotierenden Aufwindbereich aufweisen. Diesen kann man in vielen Fällen in Radarbildern erkennen.

Sturm und Orkan

Bei Sturm muss man zunächst konvektive Windereignisse (durch starke Regenschauer, meist aber Gewitter) von denen durch großräumige Sturm- oder Orkantiefs unterscheiden. Das beste Beispiel ist das "Pfingstunwetter" in Nordrhein-Westfalen am 09. Juni 2014. Durch einen starken Gewittercluster kam es vom Rheinland bis ins Ruhrgebiet zu schweren Orkanböen, die über 140 km/h erreichten und massive Schäden anrichteten. Fälschlicherweise wird hier oft von "Sturmtief ELA" geschrieben. ELA war lediglich das Tief, welches die Gewitter mit verursachte, ELA war aber kein Sturmtief! Diese sogenannten "konvektiven" Windereignisse treten auf die Fläche gesehen meist eng begrenzt auf, wobei Gewitterlinien, sogenannte Squall Lines eine Ausnahme bilden und flächiger zu heftigen Windböen und Schäden führen können. Bei Sturm- oder Orkantiefs treten die Windböen auch abseits von Niederschlägen auf und in der Regel auf einer größeren Fläche. Während also bei Gewitterböen sogar nur einzelne Ortschaften betroffen sein können, sind bei Sturm- und Orkantiefs oft ganze Länder betroffen. Neben diesen geradlinigen Windereignissen, gibt es auch Windereignisse durch Tornados. Diese sind immer sehr eng begrenzt, da Tornados an Schauern oder Gewittern auftreten und nur eine sehr schmale Schneise betreffen.

Wie stark gefährdet Bäume bei Sturm und Orkan sind, kommt auf die Belaubung an. So reichen in den Sommermonaten oft schon 60 bis 70 km/h, um einzelne größere Äste abzureißen, während in den Wintermonaten bei unbelaubten Bäumen bei gleicher Windgeschwindigkeit noch wenig passiert. Die größte Gefahr geht aber bei Sturm und Orkan immer von umstürzenden Bäumen oder beispielsweise noch Baugerüsten sowie umherfliegenden Gegenständen aus.

Gefrierender Regen / Eisregen

Eine besonders gefährliche Glätteart entsteht, wenn Regen auf gefrorene Böden fällt und hier zu einer spiegelglatten Eisschicht gefriert. Man spricht in diesem Fall von Glatteis. Oft bricht der Verkehr auf Straßen und Wegen zusammen und sogar der Schienen- und Flugverkehr kann stark beeinträchtigt sein. Grundvoraussetzung für die Entstehung von Eisregen ist eine Kaltluftschicht am Boden. Wärmere Luft weht heran, kann die schwerere Kaltluft aber nicht verdrängen und schiebt sich über die Kaltluft. Ist die Kaltluftschicht am Boden nur dünn, der Boden aber gefroren, fällt der Regen bis ganz unten hinab in flüssiger Form und gefriert erst, wenn er auf Gegenstände oder den Boden trifft. In diesem Fall spricht man von gefrierendem Regen. Die sich bildende Eisschicht ist besonders gefährlich, weil sie sehr glatt ist.

Der Eisansatz an Bäumen kann dazu führen, dass Äste abbrechen oder im Extremfall sogar ganze Bäume umstürzen. An Stromleitungen kann sich ein dicker Eispanzer bilden und das zusätzliche Gewicht kann Leitungen brechen lassen. Durch die dann einseitige Zuglast können im Extremfall sogar Strommasten umstürzen.

Schneefall

Die Auswirkungen von Schneefall sind je nach Region sehr unterschiedlich. In Regionen mit viel dichtem Verkehr, in denen zusätzlich starker Schneefall nicht sehr häufig ist, sorgen oft schon geringe Neuschneemengen für großes Chaos. Im Gegensatz dazu, können starke Schneefälle mit vergleichsweise größere Neuschneemengen von 20 bis 40 cm oder mehr, in weniger dicht besiedelten Regionen, die zusätzlich jeden Winter viel Neuschnee gewohnt sind, relativ problemlos ablaufen. Zusätzliche Gefahren bei Schneefall sind Schneebruch durch sehr nassen Schnee und Schneeverwehungen.

Fällt viel nasser und damit schwerer Schnee bei Temperaturen um 0 Grad, dann steigt die Schneelast auf Bäumen immer weiter an. Große Äste können in der Folge abbrechen oder sogar ganze Bäume abknicken. Bei sehr großen Neuschneemengen kann sogar die Schneelast auf Gebäuden kritisch werden und diese zum Einsturz bringen. So stürzte beispielsweise am 2. Januar 2006 die Eishalle in Bad Reichenhall nach ergiebigen Nassschneefällen unter großer Schneelast ein. Schneeverwehungen treten im Gegensatz zum Schneebruch eher bei trockenem Pulverschnee und viel Wind auf. Dabei können in kurzer Zeit geräumte Straßen vom Schnee wieder zugeweht werden. Bei sehr starkem Wind und viel (Neu)Schnee können sich meterhohe Schneewehen auftürmen und sogar Orte von der Außenwelt abschneiden.


Was muss ich tun, wenn sich mir ein Tornado nähert?

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Meteorologin Rebekka Krampitz gibt in diesem Video überlebenswichtige Verhaltenstipps bei einem Tornado. (Dauer: 1:56min)

Unwetterwarnungen auf Ihr Smartphone?

Mit einem Account auf unserer Meteosafe Website können Sie benachrichten lassen, wenn sich ein Unwetter Ihrem festgelegten Standort nähert. Sie können sich sowohl automatisiert vorabinformieren lassen, wenn die Modelle bestimmte Ereignisse für ihren Ort für möglich halten, wie bspw. Sturm, Schneefall oder Eisregen, aber auch natürlich dann, wenn es tatsächlich ernst wird und Gewitter zu Ihnen unterwegs sind, es in Ihrem Bereich zu Aquaplaning kommen kann oder Sturzflutgefahr herrscht.

Die Standardbenachrichtigung läuf per E-Mail. Mit einem Abo der Pflotsh Storm App (für Android und iOS) können Sie sich aber auch direkt per Pushnachricht auf dem Smartphone benachrichtigen lassen.

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Was ist der Unterschied zwischen einem Downburst und einem Tornado?

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Wenn es Unwetterschäden gibt, wird mittlerweile schnell von einem Tornado oder einer Windhose gesprochen, doch meist ist für die Schäden ein anderes Phänomen verantwortlich. Meteorologin Rebekka Krampitz erklärt in diesem Video den Unterschied zwischen sehr oft vorkommenden Gewitterfallböen und den eher seltenen Tornados. (Dauer: 2:55min)

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Amtliche Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienst (DWD)

Amtliche Warnungen vor markanten Wettererscheinungen gibt in Deutschland ausschließlich der Deutsche Wetterdienst in Offenbach heraus. Auf der Webseite des DWD erfahren Sie stets aktuell, wo gerade Unwetter in welcher Stärke unterwegs sind und mit welchen Gefahren man dabei rechnen muss.

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